AchtNacht
von Sebastian Fitzek

„Inspiriert von ‚The Purge'“ steht auf dem Vorsatzblatt des Buches und das ist eine untertriebene Beschreibung.

Tatsächlich ist die Idee als nahezu gleich zu beschreiben. Fitzeks Geschichte wird mehr von der Idee eines psychologischen Experiments getragen, von der Verfänglichkeit sozialer Medien. Diese Kritik an den katastrophalen Risiken der sozialen Medien schwingt die ganze Zeit mit. Fitzek beleuchtet die menschlichen Abgründe auf eine, dem Leser erschreckend nahe Art und Weise.

Die AchtNacht ist eine Nacht, in der ein Mensch, der vorher von der Internet-Community nominiert wurde, zum Abschuss freigegeben wurde und dies vermeintlich straffrei und mit einem Gewinn von 10.000.000 €. Der Leser begleitet einen der nominierten „AchtNächter“ auf der Flucht vor den Jägern. Er kann teilhaben an seiner Gefühls- und Gedankenwelt. Die situativen Umstände des Protagonisten werden näher beleuchtet, wodurch seine Motive verständlicher und nachvollziehbarer werden.

Der Spannungsbogen wird sehr gut aufgebaut, auch wenn es sich etwas in die Länge zieht. Der zweite „AchtNächter“ wird gut eingeführt und steigert die Spannung, da ihm als potenzieller Gegner und Verbündeter eine intrinsische Ambiguität und Ambivalenz innewohnt.

Die Auflösung kommt sehr überraschend, beruht aber auf einer sehr seltenen, sogar kontrovers diskutierten Begebenheit. Dieser Überraschungseffekt geht aber zu Lasten der Glaubhaftigkeit der Geschichte.

Fazit: Meiner Ansicht nach ein schwacher Fitzek. Ich war von der Auflösung enttäuscht. Es wirkte weit her geholt und zu gewollt. Mich hat auch irgendwie verärgert, dass Fitzek als Psychologe den Begriff „Psychose“ nicht korrekt verwendet. Also der erste Fitzek, bei dem ich leider sagen muss: Nicht lesen!


416 Seiten, erschienen bei Knaur Taschenbuch unter
ISBN: 978-3426521083 12,99 €