Lion – der lange Weg nach Hause
von Saroo Brierley

Eine bewegende Geschichte über die Suche nach der eigenen Vergangenheit, der eigenen Identität.

Der kleine Saroo wächst mit seiner Mutter und drei Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf, muss die Mutter unterstützen in dem er stiehlt. Bei einer Entdeckungstour geht er verloren, da er in einem Zug einschläft. Er wacht in Kalkutta wieder auf und damit beginnt seine Reise in ein neues Leben, in dem er sich aber doch immer nach der Erinnerung sehnt und einen kleinen Teil in Indien zurücklässt.

Die Erzählung umspannt seine Zeit in Indien sowie seine Adoleszenz in Australien und erreicht ihren Höhepunkt, wenn Saroo sich mittels Google Earth anhand seiner Erinnerungen an die Zugfahrt auf die Suche nach seinem Geburtsort macht.

Die Geschichte ist sehr schön, emotional geschrieben und man merkt dass es die Geschichte des Autors ist. Die Sprache wirkt authentisch, nicht konstruiert.
Besonders schön fand ich die Ergänzungen durch Fotografien aus der Kindheit und der Suche.
Es gibt kein konsistentes Erzählen. Erinnerungslücken, einzelne Blöcke an plastischen Erinnerungen und schemenhafte Bilder wechseln sich ab. Dies integriert den Leser regelrecht in den Erinnerungsprozess.

Nachdem mich die Vorschau im Kino gesehen habe und den Film als ansprechend und interessant, habe ich entschieden vorher noch schnell die Geschichte als Buch zu lesen. Vorher hatte ich von dem Buch noch nichts gehört ich hatte aber die Hoffnung das es mich ähnlich fesselt wie zum Beispiel „der Drachenläufer“ von Khaled Hosseini.
Der Film weicht in einzelnen Aspekten vom Buch ab, wird ihm meiner Ansicht nach auch nicht gerecht.

Fazit: Eine biografische Arbeit, die von Lebendigkeit sprüht und den Leser gut nachfühlen lässt, wie schwer es ist frühkindliche Erinnerungen zu konstruieren. Die Geschichte als solche habe ich als sehr besonders empfunden und ich bin froh, sie gelesen zu haben!


256 Seiten, erschienen am 10.02.2017 bei Ullstein unter ISBN-13 9783548376479 11,99 €
Originaltitel: A Long Way Home Übersetzung: Michael Windgassen