über eine Kindheit und Jugend in der Psychiatrie und doch nicht

Wann wird es endlich wieder so wie es nie war
von Joachim Meyerhoff

KiWi Verlag

Eine sehr klare und ehrliche Erzählung einer Jugend auf einem Psychiatriegelände. Ein Buch über die Beziehung zwischen Vater und Sohn, traurig-schön und tragisch.

Im Einband ist eine Skizze einer Katze, die sich Menschen einverleibt. Die Katze wird im Buch erwähnt, spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Warum sie gewählt wurde als Element des Einbands war mir nicht ganz klar.

Mit war zu Beginn der autobiografische Gehalt des Buches nicht bewusst ^^ Obwohl natürlich klar sein muss, dass es eine Fiktion ist. Das Buch ist in verschiedene Lebensereignisse, denen sich die Kapitel widmen, aufgeteilt. Das Kapitel kann sich jeweils über verschiedene Zeiträume ziehen, von ein paar Stunden über ein paar Tage. Die Kapitel sind chronologisch aufgebaut, beginnend am ersten Schultag von Josse bis hin zu seinem Erwachsenenalter.

Die Kapitel sind sehr anschaulich geschrieben und ermöglichen dem Leser ganz in Josses Gedankenwelt einzutauchen. Teilweise wirkt die Beschreibung aber sehr umemotional, ja bizarr. In der Jugend werden Aggressionszustände beschrieben, die der Junge selbst als fremdartig bewertet, was ich etwas komisch fand und mich beim Lesen doch gefragt habe, ob ein Jugendlicher so eine Introspektionsfähigkeit besitzt.

Einige Kapitel widmen sich verschiedenen Bewohnern der Psychiatrie. Josses Eindrücke zu den Personen werden kurz angerissen, deren Verhalten kurz beschrieben. Hier hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefe gewünscht, vielleicht eine genauere Beschreibung der Lebensumstände. Es wäre schön gewesen, wenn die Erzählung hier über Jugend-Eindrücke und Erinnerungsfetzen hinausginge und mit recherchierten Inhalten unterfüttert worden wäre.

Nach dem Lesen habe ich etwas recherchiert nach der Heilanstalt, ihrer Geschichte und ihrem Aufbau. Im Buch wird die Struktur der Anlage und der Aufbau der Gebäude genau beschrieben. Wie sich diese Eindrücke bei Josse festigten und was sie für Folgen hatten wird gut beschrieben. In einer Lesung habe er einen Plan der Anstalt aufgezeichnet, ich hätte mir eine solche Skizze im Buch gewünscht, hätte mich interessiert! Die Recherche ergaben einige Vorkommnisse mit den jugendlichen Insassen der Anstalt. Vor dem Hintergrund was in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Hessenberg für Gewalttaten geschehen sind, scheint die Erzählung nahezu lapidar.

Fazit: Es ist ein sehr persönliches Buch was wirklich nah am Protagonisten gehalten wird und einen Abriss aus besonderen, einschneidenden, bewegenden Erinnerungsmomenten darstellt. Absolut empfehlenswert! Eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte, die mich gerührt hat! Unbedingt lesen!


352 Seiten, erschienen bei KiWi unter ISBN-13 978-3462045161  10,99€

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2 Kommentare

  1. Hallo Lieselotte,
    klingt spannend. Vor allem interessiert mich, wie es dazu kam, dass der Autor auf einem Psychatriegelände aufwuchs. War er dort „Insasse“ oder hat sein Vater dort gearbeitet?

    • Liselotte

      soweit kann ich es verraten, er ist kein Patient 😉 Der Vater ist der Direktor.
      Freut mich, dass dich die Rezension angesprochen hat.
      Liebe Grüße und auf hoffentlich bald!

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