Regentag können immer etwas Glück gebrauchen!

Das Glück an Regentagen
von Marissa Stapley

Wirklich ein schöner Aufbau! Jedes Kapitel ist mit einem Rat überschrieben, was man an Regentagen in Alexandria Bay tun sollte / könnte. Diese Ratschläge sind erstens gut übertragbar und stellen einen schönen Bezug zur Geschichte her, da die Liste von der Mutter der Protagonistin Mare geschrieben wurde und auch Erwähnung im Roman findet. Der Bezug wird im Originaltitel ‚things to do when it’s raining‘ deutlicher. Hätte vielleicht noch konkreter inhaltlich eingebunden werden oder die Kapitel sich thematisch stärker an die Ratschläge anlehnen können.

Das Cover ist hochwertig, hat metallischen Druck und kräftige Farben. Es würde mich aber nicht direkt ansprechen. Ich finde es einfach zu kitschig und es nimmt dem Leser doch inhaltlich einiges vorweg. Innen hat es eine ausklappbare Karte von Alexandria Bay, die ich überflüssig finde. Die Figuren legen nicht besonders viele Wege zurück, einzelne Orte finden in der Erzählung keine Erwähnung.

Inhaltlich geht es um Mare, die sich nach einem Schicksalsschlag in die Heimat ihrer Jugend, ins Inn ihrer Großeltern flüchtet. Dort haben aber verschiedene Geschehnisse zur Zerrüttung geführt. Es gibt wiederholt Rückblicke, die dem Leser die Beweggründe der Figuren verdeutlichen, das Geschehen lebt aber von Unausgesprochenheiten und Verheimlichungen der Figuren untereinander. Das hat mich persönlich etwas genervt, da mir hier komplexe Missverständnisse oder Kommunikationsprobleme gefehlt haben sondern recht intensiv auf der Verstocktheit der Figuren rumgeritten wird. Die Grundidee einer Jugendliebe, die auf Umwegen wieder entfacht wird ist nicht neu aber herrlich kitschig und schön zu lesen. Gut gefällt mir die Verstrickung der Figuren untereinander und die Geschichte von Mare und Gabe. Die Figurenentwicklung ist allerdings ausbaufähig. Die aufgebaute Komplexität von involvierten Figuren kann auf 300 Seiten nicht ausreichend bearbeitet werden. Hier hätte ich mir eine Reduktion aufs Wesentliche gewünscht.

Fazit: schöne Geschichte mit einem soliden Grundgerüst, die meiner Ansicht sehr viel Potenzial gehabt hätte und vielleicht sogar als epische Erzählung funktioniert hätte. Marissa Stapley hat gute Ideen, die sie aber alle in eine Geschichte stopfen wollte und die als solche nicht genug Raum hatten sich zu entwickeln. Schade! Daher eher „oder nicht“.

Leseprobe


304 Seiten, broschiert erschienen November 2017 bei  Rowohlt Polaris unter ISBN-13 978-3499291708   14,99 €
Originaltitel: Things to do when it´s raining  Übersetzung: Katharina Naumann

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4 Kommentare

  1. Hallöchen!
    Meine Freundin hatte das Buch auch vor kurzem gelesen und fand es auch eher „mäh“. Eigentlich schade, weil es ja doch sehr schön ist und wenn ich es jetzt nicht vertausche, ist in der Klappe eine Liste drin (oder?) Die Idee ist wirklich gut, aber wenn meine Freundin mir sagt, dass es nicht gut war und deine Meinung in eine ähnliche Richtung geht, lass ich lieber die Finger davon.
    Liebe Grüße
    Caro

    • liselotte

      Hallo Caro, schön dass du meine Rezension gelesen hast! Ja ich finde das Buch eigentlich auch sehr schön und war deshalb doch recht enttäuscht.
      Vorne im Einband ist eine Liste mit den ‚Dinge[n], die man bei Regen tun kann‘, das stimmt! Es sind allerdings leider nur 9 im Einband von insgesamt 43 Dingen. Das ist schade! Hätte mir da eine andere Lösung gewünscht. Denke dass es nicht so ein Verlust ist, wenn du das Buch auslässt. Kannst aber mal in die Leseprobe reinschauen und dir selbst ein Bild machen 🙂
      Viele Grüße

      • Hallo Liselotte, ich hatte bei diesem Buch auch andere Erwartungen, aber da zeigt sich wieder : Hinter einem schönen Cover steckt nicht unbedingt ein schönes Buch,,,,
        LG Angela vom Literaturgarten

        • Liselotte

          wie wahr. Ich fand es halt schade , dass die Erzählung echt Potenzial hatte!
          Viele Grüße

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